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Archiv für: Februar 2008

Das Individuum und sein Doppelgänger

von informationsluecke @ 2008-02-18 - 11:17:32

Die trieb- und begierdehafte Instinktnatur des Menschen beinhaltet grundsätzlich die Tiernatur, die vorerst durch die Sozialisierung aufgrund von Konventionen gebändigt wird. Bestünde der Mensch nur aus dieser Tiernatur, wäre er deren Gefangener. Das Menschenbild der postmodernen Gesellschaft erschöpft sich in der Anschauung, dass der Mensch in sich die Triebkraft dieses ES (des Tierhaften) als Überlebenskraft empfindet, welche ihm auch die gesunde Energie in Form von gesunder Aggressivität zur Existenzerhaltung im gesellschaftlichen System liefert. Das Überich, als die Tiernatur bändigende Norm des Gesellschaftlichen, tritt in Wechselwirkung mit diesem Tierischen. Dieses bildet sich vorerst in Verhältnis des Individuums zu seinen Eltern und später im Verhältnis zum gesellschaftlichen Umfeld (Verhaltensnormen, staatliche Gesetzgebung und religiöse Weltanschauung) aus. Aus dieser Wechselwirkung, so sagt die Soziologie heute, kristallisiert sich durch Regelkreise als Produkt des Zufalls die Illusion des Ichbewusstseins und des Gewissens heraus. Diese Theorie hat so lange eine Gültigkeit, als nicht hinterfragt wird, woher die konventionellen Normen stammen. Hier die Anschauung zu vertreten, dass sie aus der Erfahrung der zum Überleben günstigsten Verhaltensweisen auf zufällige Weise entstanden sind, ist üblich und normativ-ontisch zulässig.
Ein tieferes Nachdenken führt aber zu folgender Überlegung: Wie kann aus ‚unmoralischem’ Verhalten der Tiernatur das ‚moralische’ Verhalten der Menschennatur entstehen und wie ist es möglich, dass die Tiernatur dieses moralische Verhalten immer wieder durchbrechen kann? Muss es nicht vielmehr so sein, dass den real existierenden Kräften von Instinkt, Trieb und Begierde ebenso reale Kräfte gegenüberstehen, die das Triebwesen des Menschen gestalten, bilden und formen. Aus der Unternatur des Menschen dessen Übernatur zu konstruieren und als Produkt dieses Wechselspiels zu bezeichnen ist etwas gar einfach. Wie ist es möglich, dass Goethes Faust durch die Konfiguration seiner Gehirnwindungen und seiner Erbanlagen in Wechselwirkung mit der Umwelt auf zufällige Weise entstanden sein soll? Wie soll es weiter möglich sein, dass ausgerechnet Goethe in seinem Faust darauf hinweist, dass dem Triebwesen des Menschen, das seine Vorstellungswelt ins Unmenschliche verführt, eine Welt des Geistes gegenüber steht, in der die Kräfte der Liebe, der Güte und des Verzeihens wirksam sind. Wie soll, wie Goethe es selber tut, der Geist, der aus der Wechselwirkung der Materieteilchen entstehe,den untersinnlichen Kräften der Materiealso, sich selber widerlegen? Die Tatsache, dass den Normen entgegengedacht werden kann, widerlegt die neo-darwinistische Theorie von Freud, die heute überall Schule macht und den Menschen, als das was er in Wirklichkeit ist, verleugnet. Was ist der Mensch in Wirklichkeit? Er ist ein Wesen, das sich in der Gegensätzlichkeit von Kräften findet, die aus der Materie, in der Form des zerstörerisch wirkenden asozialen Egoismus auftauchen, und der Kräfte die diesem Triebhaft-Zerstörerischen in von Form von sozial aufbauenden Gestaltkräften entgegenwirken. In diesem Gegensatz bewegt sich die geistige Kraft des menschlichen Individuums. Durch seine Denkkraft, welche ihm das Wahrheitsgefühl für das wirkliche menschliche Sein ermöglicht, kann er die gegensätzlichen geistigen Realitäten, auf dem Feld seines Bewusstseins erscheinen lassen und erleben. Der mündige Mensch, der durch seinen Denkwillen diese Wirklichkeiten erkennt, kann aus der Erkenntnis dessen, was in der Situation als wirkliche Menschlichkeit zu verwirklichen ist, frei und menschengemäß handeln. Er ist dabei weder von den höheren noch von den niederen Geistrealitäten, noch von den sozialen Normen gefangen, sondern er entscheidet situationsgerecht nach dem von ihm im Augenblick und geistesgegenwärtig Erkannten darüber, was als wahrhaft menschliche Tat zu geschehen hat. Dort, wo diese Freiheit gefährdet ist, tritt unmenschliches Handeln auf. Wo er durch die geistigen Ideale (z.B. der Kirche) überformt wird, verliert er seine Freiheit als freies geistiges Individuum, das er als Denkwille ist und das er in seiner Leibesform abbildet, die er aus Freiheit in die Gemeinschaft der Menschen führt. Wo er durch seine tierischen Triebe in seinem Egoismus sozial zerstörerisch wirkt ist er ebenso unfrei. Durch die Erkenntnis der erzwungenen sozialen Kräfte und der egoistischen asozialen Kräfte wird der Mensch erst zum sozialen Wesen, das er nur aus Freiheit werden kann. Was ihn zwingt, ist nicht seinem Wesen angehörig. Das ihn Zwingende ist das Doppelgängerwesen, das er bei sich selber und bei den anderen Menschen erkennen muss, um wirklich sozial zu werden.


 
 

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